man in the arena — seit 2008

Ich entscheide für eine Welt, die noch nicht existiert

Viele Entscheidungen werden mit der Vergangenheit begründet.

So war es bisher.
Das hat funktioniert.
Das kennen wir.
Das ist heute ein Problem.

Ich versuche es anders.

Ich mache eine Wette darauf, wie die Welt in Zukunft aussehen wird und entscheide von dort rückwärts.

Bei einer Abstimmung frage ich mich deshalb nicht nur:

Was wäre heute gut für die Schweiz?

Sondern:

In welcher Schweiz werden wir in 10, 20 oder 30 Jahren leben und welche Entscheidung von heute ergibt in dieser Welt Sinn?

Das verändert erstaunlich viel.

Die Zukunft als Ausgangspunkt

Nehmen wir KI und Robotik.

Meine Wette ist, dass Maschinen einen immer grösseren Teil dessen erledigen werden, wofür heute menschliche Arbeit notwendig ist.

Software schreiben.
Transportieren.
Produzieren.
Planen.
Beraten.
Verwalten.

Gleichzeitig glaube ich, dass Technologie viele Dinge massiv günstiger und verfügbarer machen wird.

Vielleicht liege ich falsch.

Aber wenn ich glaube, dass diese Entwicklung wahrscheinlich ist, wäre es merkwürdig, Entscheidungen so zu treffen, als würde die Welt von 2040 einfach aussehen wie 2026 mit etwas besseren Smartphones.

Also versuche ich, von der erwarteten Zukunft zurückzudenken.

Wenn das meine Zukunft ist: Was müsste ich heute tun?

Das funktioniert nicht nur bei Politik.

Auch bei Unternehmen.

Wenn ich glaube, dass KI einen grossen Teil administrativer Arbeit übernimmt, baue ich heute nicht unbedingt das perfekte administrative System für Menschen.

Wenn ich glaube, dass Software immer billiger zu erstellen wird, frage ich mich nicht nur, welche Software ich bauen kann.

Ich frage mich, was knapp bleibt, wenn Software praktisch nichts mehr kostet.

Wenn ich glaube, dass Wissen überall verfügbar sein wird, wird Wissen alleine weniger wertvoll.

Urteilsvermögen, Vertrauen, Eigentum, Beziehungen und die Fähigkeit zu handeln könnten dafür wertvoller werden.

Die Zukunftswette verändert die Entscheidung von heute.

Aber hier lauert eine Falle

Es gibt einen entscheidenden Unterschied zwischen:

Ich glaube, dass die Zukunft so aussieht.

und

Ich weiss, dass die Zukunft so aussieht.

Letzteres ist gefährlich.

Ich treffe meine Entscheidungen schliesslich nicht aufgrund der Zukunft.

Ich treffe sie aufgrund meiner Vorstellung der Zukunft.

Und die kann falsch sein.

Vielleicht kommt die Entwicklung später.

Vielleicht kommt sie anders.

Vielleicht stimmt das Zielbild, aber der Weg dorthin ist völlig anders als erwartet.

2045 könnte eine Welt mit enormem Wohlstand sein und die Jahre davor trotzdem wirtschaftlich und gesellschaftlich ziemlich unangenehm.

Deshalb reicht es nicht, eine Zukunft vorherzusagen.

Eine gute Entscheidung muss einen Irrtum überleben.

Meine eigentliche Frage

Deshalb versuche ich nicht mehr nur zu fragen:

Was ist richtig, wenn meine Zukunftswette stimmt?

Sondern:

Welche Entscheidung funktioniert auch dann noch einigermassen, wenn ich falsch liege?

Vier Fragen helfen dabei:

Ist die Entscheidung reversibel?
Kann ich sie später wieder ändern?

Schafft sie "Optionalität"?
Habe ich danach mehr oder weniger Handlungsmöglichkeiten?

Ist die Wette asymmetrisch?
Ist der mögliche Gewinn gross, während der Schaden bei einem Irrtum begrenzt bleibt?

Welche Strukturen schaffe ich damit?
Manche Entscheidungen lassen sich auf dem Papier rückgängig machen, die entstandenen Institutionen, Abhängigkeiten und Interessen aber nicht.

Gerade bei politischen Entscheidungen finde ich noch eine fünfte Frage wichtig:

Würde ich diese Macht oder Regel auch dann wollen, wenn jemand damit entscheidet, dessen Weltbild meinem komplett widerspricht?

Plötzlich sehen manche vermeintlich guten Ideen anders aus.

"Strong views, loosely held"

Ich will deshalb weiterhin starke Wetten auf die Zukunft machen.

Eigentlich sogar stärkere.

Eine diffuse Vorstellung der Zukunft hilft niemandem.

Aber ich möchte mich nicht in meine Prognose verlieben.

Neue Information muss meine Wette verändern können.

Vielleicht ist das der wichtigste Teil des ganzen Modells:

Eine Meinung darüber zu haben, wie die Zukunft aussieht und gleichzeitig ständig nach Beweisen zu suchen, dass man falsch liegt.

Nicht:

Ich weiss, was kommt.

Sondern:

Das ist momentan meine beste Wette darauf, was kommt.

Und solange diese Wette gilt, handle ich danach.

Denn ausschliesslich für die Welt von heute zu entscheiden, ist auch eine Wette auf die Zukunft.

Nur eine, die man nicht als solche erkennt.

Mitdenken.

Wenn du solche Gedanken weiterverfolgen willst, lass mir deine E-Mail. Keine Content-Maschine, kein Frequenzversprechen. Ich schreibe, wenn es etwas zu sagen gibt — und frage dich, was sich bei dir gerade verändert.

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